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Erfahrungsberichte

Erfahrungsberichte

In dieser Rubrik berichten aktuelle und ehemalige Mitarbeiter über Interessantes aus Ihren Arbeitsalltag und Erfahrungen im Zusammenhang mit der Fa. Goldkorn.
Wir freuen uns über weitere Beiträge, auch gerne von Kurzzeit-Mitarbeitern, die wir an dieser Stelle veröffentlichen können.

1) Wie die Füllung in den Teigfladen kommt– Der lange Weg eines Produktes–
von Dirk Zeymer

2) „Dich schickt der Himmel!“-Als Kaffee-Fee unter Metalheads– von Rena Föhr

Wie die Füllung in den Teigfladen kommt– Der lange Weg eines Produktes- von Dirk Zeymer

In meinem sechsmonatigen Praktikum durfte ich erleben, wie aus einem einfachen Teigfladen ein marktfähiges Massenprodukt werden sollte. So wurde es zu meiner Aufgabe, mich mit dem Thema der Produktentwicklung zu beschäftigen.
„Ok, cool“ dachte ich und begann die Thematik zu bearbeiten, ohne jedoch zu wissen, was für ein gewaltiger Berg Arbeit mich erwarten sollte.

Ab dem jetzigen Zeitpunkt standen die Internetleitungen nicht mehr still. Ich holte mir aus der weiten Virtuellen Welt zahlreiche Anregungen, aber auch Negativbeispiele, die man bei der eigenen Produktentwicklung beachten sollte.
Nachdem ich diese Anregungen sacken ließ und mir die Thematik immer vertrauter wurde, begann die eigentliche Arbeit der Produktentwicklung. Ich überlegte mir also nun, welche Art von Zutaten in einem Stück Teig schmecken würden und zugleich gut aussehen. Schnell musste ich zu dem Entschluss kommen – Alles ist möglich!

Also grübelte ich aufs Neue, brachte die Leitungen des Internets ein zweites mal zum glühen und ließ meiner Kreativität freien Lauf. Dabei stellte ich mir immer die Fragen – Welche Zutaten sprechen die breite Masse an, welche Zutaten eines bekannten und beliebten Produktes kann man in einen Burrito rollen und was sind ausgefallene Kombinationen, die am Ende auch noch schmecken? Als ich diese Fragen nach einiger Zeit beantworten konnte, machte ich mich an die Arbeit die ausgearbeiteten Rezepturen auf die Probe zu stellen und diese zu verkosten bzw. verkosten zu lassen.
Nach unzähligen Kalorien und zahlreichen Verbesserungen der Rezepte fiel dann der Entschluss – diese sechs neuen Burritos sollen im Jahr 2012 auf den Markt kommen. Erleichterung tat sich bei mir auf, ohne je einen Gedanken daran verschwendet zu haben, wie es nach dieser Rezeptentwicklung weitergehen sollte.

Jetzt begann der unternehmerische Teil, indem die Küche gegen die Zahlen kämpft. Die Rezepte sind klasse, jedem hat es geschmeckt, für jeden ist etwas dabei, aber alle samt zu TEUER! Es folgten nun zahlreiche Telefonate und Preisanfragen mit verschiedenen Lieferanten und Händlern, neue Rezeptkalkulationen und die Entwicklung alternativer Zutaten, die das Produkt im Gesamten etwas günstiger machen sollten. Ein sehr netter Teil an dieser Arbeit ist die Erkenntnis, welchen Verhandlungsspielraum man in der Wirtschaft ausnutzen kann.

Als die Zahlen mehr oder weniger mit den Vorgaben übereinstimmten, folgte ein äußerst kreativer Bereich. Jeder Burrito sollte nun eine Persönlichkeit erhalten, sprich einen Namen und eine Charakterisierung (die Produktbeschreibung) bekommen. Hierzu arbeitete ich etliche Vorschläge aus, die alle samt in einem Meeting besprochen und diskutiert wurden. Doch wer kauft einen Burrito von dem er nur den Namen und die Beschreibung kennt? Richtig- keiner, denn das Auge isst mit. Also war die nächste Aufgabe Produktfotografie. Dazu bauten wir ein mobiles Fotostudio auf, fertigten alle Burritos an, verschönerten diese mit ein paar Tricks und fotografierten.

Wer jetzt denkt das war es, der irrt! Es folgten nun die Erstellung von Produktionsanweisungen für die produzierenden Mitarbeiter, Bestellscheine für das Büroteam und die Festlegung der geeignetsten Verpackung für das Produkt.
Zum Schluss stellt sich nur noch die Frage, wo ein solcher Burrito produziert wird. Genau das sollte der letzte Teil der Produktentwicklung werden. Zunächst begann ich zu überlegen, wie ein leistungsstarker Stand auszusehen hat, welche Geräte benötigt werden und was der optimale Platzbedarf ist. Anschließend fertigte ich zahlreiche Zeichnungen von verschiedenen Ständen an und legte diese zur Diskussion vor. Nach einigen Verbesserungen gab ich den Standentwurf in die Designabteilung. Dort wurde dieser 3D grafisch dargestellt, nochmals diskutiert und zu guter letzt akzeptiert.

Das Kapitel Entwicklung Burritos für die Saison 2012 wurde somit abgeschlossen. Inwieweit erfolgreich wird sich auf diversen Veranstaltungen herausstellen. Auf jedenfall habe ich neben unglaublich viel neuem Wissen, einem unheimlich interessantem Arbeitsprozess und einer Menge Portion Spaß (& Kalorien) erfahren können, wie lange es dauert, dass ein Stück Fleisch in einem Teigfladen zum Kunden in den Bauch gelangt.

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„DicH ScHickt DeR HiMMeL!“-ALS kAFFeeFee unteR MetALHeADS – ein eRFAHRungSBeRicHt von Rena Föhr

Kolossal ist das erste, was mir bei seinem Anblick durch den Kopf schießt. Seine Statur: Zwei Meter und zwei Zentner. Sein Mantel: Schwarz. Ledern. Bodenlang. Sein Haar: Wallend. Ein pechschwarzer Vorhang. Und darunter -zwei blaue, verschlafene, doch durchaus freundliche Augen. Strahlend-sanft, ja nahezu religiös-verklärt scheint der Blick durch den schwarzen Vorhang. „Dich schickt der Himmel!“, juchzt der Koloss schließlich entzückt. Innerlich seufze ich erleichtert auf, während ich frischen, dampfenden Kaffee in einen Becher fülle.
Catering auf Großveranstaltungen – was wie ein allzu normaler Studentenjob anmutet, erhält auf Festivals eine ganz neue Dimension. Aufstehzeit: 5.00 Uhr. Einsatzfeld: Keine schicke Bar, sondern der Zeltplatzdschungel. Arbeitsausrüstung: Nicht etwa Tablett und Block, sondern ein Wanderrucksack, umgebaut zu einem mobilen Kaffeeautomaten.
Ein bisschen mulmig war mir ja schon gewesen vor der Aufgabe, riesigen furchteinflößenden Gestalten Kaffee schmackhaft machen. Jedoch, ganz ohne Ironie: Es fängt ja mal gut an!
Also auf zur nächsten potentiellen Kundschaft. Die besteht aus einer Crew von sieben langmähnigen Schweizern. Neben steilem Umsatz bringt mir diese Begegnung auch noch ein ganz besonderes Kompliment ein. „Ja mei, weißt...“ sinniert ein blondgelockter Bär aus dem Nachbarland, „iach find dein Dialekt wirkli so lustiach!“ Danke, gleichfalls! Die netten Gesellen melden sich bald wieder. Doch nicht nur um Nachschub werde ich diesmal gebeten, sondern auch um Umweltbewusstsein – „in dieselben Becher noch mal. Wir sind Naturfreunde!“
Die nächsten Kaffeejunkies wiegen in etwa zehn mal so viel wie mein voll beladener Kaffeerucksack, will heißen, sie sehen mal wieder sehr... äh... massiv aus. „Kannst scho näherkommen, wir sind nur zwei halbnackte Metaller!“, dröhnt es beruhigend aus dem Zelteingang. Mein Lächeln verwandelt sich in ein Prusten, als ich sehe, dass beim Attribut „halbnackt“ auch Eier in Bodenhaltung, die aus der legeren Unterbekleidung herausbaumeln, inklusive sind...
Nicht zu vergessen: Die Gäste aus den neuen Bundesländern. Ein Wohnwagenkomplex aus Thüringen sowie eine Zeltkommune aus dem Dresdner Umland sorgen sich sogar um mein leibliches Wohl! „Sag mal, trinkst du auch genug?“, fragt mich besorgt ein schwarzgekleideter Sachse. „Das ist wischtisch bei dieser Hitze! Wir hädde Energydrinks und africola. Nimm dir was mit, Mädel!“
Sehr international geht es übrigens zu. Neben zahlreichen Holländern (meist ganz klischeedienlich samt Wohnwagen) sind auch ein paar italienische Rocker am Start. Sie wollen Espresso und das einzige, was sie auf Deutsch artikulieren können: (Meine) Telefonnummer. Die kriegen sie nicht, denn ich muss mich nun um zwei erstaunlich zarte Franzosen kümmern, die sich mit café au lait das Früstück versüßen lassen wollen.
„Kaffeefeeee!“ schallt es mir auch noch Stunden später lieblich hinterher, als die Sonne und die Temperaturen weit gestiegen sind und ich eher schwerfällig-schweissdurchtränkt über den Acker stapfe. Also, wie jetzt – Love and Peace auf einem Metalfest? Nun ja. Ton und Typen sind natürlich manchmal etwas rau – aber eigentlich nur untereinander. Ich bekomme davon so gut wie nie etwas ab. Ich in meinem bunten Hippiekleidchen bin die Kaffeefee, die der Himmel schickt. Die Prinzessin der dunklen Bären. Und da kommt mir schleichend, aber unabwendbar die Erkenntnis: Metaller sind zuckersüß!

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